Der große Umbruch – wie das Jahr 2025 zur Zeitenwende wurde

Deutschland ist im Krisenmodus: wirtschaftlich angeschlagen, außenpolitisch unbedeutend, innenpolitisch handlungs- und refomunfähig. Teil 1 der Serie "2025 - das Jahr Null"

Was macht ein Jahr zu einem Wendepunkt? Wenn eine Nation kollektiv das Gefühl hat, dass „es so nicht weitergeht“. 2025 ist ein solches Jahr – nicht, weil eine einzelne Krise das Land erschütterte, sondern weil sich viele Fehlentwicklungen zuspitzten und ihre Wirkung entfalteten. Die Zeiten, in denen man schleichende Probleme auf später verschieben konnte, sind vorbei. Der Vertrauensverlust in Staat, Institutionen und Zukunftsversprechen ist spürbar – nicht nur in Zahlen, sondern auch in Alltagserfahrungen: im Supermarkt, beim Arzt, auf der Behörde, in der Schule, auf dem Konto.

Warum 2025 kein Betriebsunfall ist
Diese Krise kam nicht aus dem Nichts. Sie ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung, die von struktureller Überforderung, politischen Fehlanreizen und wachsender Entkopplung von Realität und Regierungshandeln geprägt war. Die Probleme sind bekannt:

• Fachkräftemangel
• Überlastung des Sozialstaats
• Vertrauensverlust in Medien und Politik
• Demografischer Wandel ohne Anpassung
• Verlust wirtschaftlicher Innovationskraft
• Kontrollverlust bei Migration und Integration

Doch statt diesen Herausforderungen ehrlich zu begegnen, setzte die politische Führung zu lange auf Beschwichtigung, Ablenkung oder ein ideologisches Weiter-so. Kritik wurde als „populistisch“ diskreditiert, statt ernst genommen. Viele Bürger spürten längst, dass etwas schief läuft – doch sie wurden mit Slogans wie „Wir schaffen das“ (Angela Merkel, 2015) oder „Deutschland wird sich verändern, und ich freue mich darauf“ (Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/Die Grünen, 2015) beruhigt und belehrt.
 
Die Armutsstatistik als Symptom
Ein besonders alarmierender Indikator ist die Armutsentwicklung: Laut dem Paritätischen Gesamtverband leben in Deutschland im Jahr 2024 rund 11 Millionen Menschen in Armut – das entspricht 13,7 % der Bevölkerung. Diese Zahl ist nicht nur historisch hoch, sondern auch Ausdruck einer massiven sozialen Schieflage in einem der weltweit wohlhabendsten Länder.
Ein Rückblick zeigt, wie dramatisch sich diese Zahl entwickelt hat:

• 2020: 13,1 %
• 2021: 16,6 %
• 2022: 16,8 % 
• 2023: 14,7 %      
• 2024: 13,7 %

Hinter diesen Prozentpunkten stehen reale Lebensschicksale: Alleinerziehende, Kinder, Rentner mit jahrzehntelanger Arbeit, die dennoch nicht über die Runden kommen. Und zunehmend auch Erwerbstätige. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2023 fast 10 % der Erwerbstätigen im Niedriglohnsektor (Destatis).

Vertrauensverlust in Politik, Medien und Justiz
Die Krise ist nicht nur materiell, sondern auch kulturell. Laut dem Edelman Trust Barometer 2024 vertrauen nur noch 27 % der Deutschen den klassischen Medien vollständig. Nur 34 % trauen der Bundesregierung zu, die Probleme des Landes zu lösen. Die Polizei, einst die Institution mit dem höchsten Ansehen, erlebt zunehmend Imageverluste – befeuert durch politische Debatten, mangelnde Rückendeckung und eine Justiz, deren Urteile von Teilen der Bevölkerung als ideologisch oder zu milde empfunden werden.
Beispiele wie der Fall Ibrahim Miri, der trotz Clan-Beziehungen mehrfach abgeschoben und wieder aufgenommen wurde (BILD-Zeitung), oder milde Urteile in Fällen mit sexualisierter Gewalt durch Täter mit Migrationshintergrund, haben das Vertrauen in einen funktionierenden Rechtsstaat nachhaltig erschüttert.
 
Die Rolle der Parteien – der Staat als Beute?
Der Politikwissenschaftler Hans Herbert von Arnim prägte mit seinem erfolgreichen Buch den Begriff vom Staat als „Beute“ – gemeint ist die parteipolitische Durchdringung von Verwaltung, Justiz und öffentlichem Dienst. Seine Kritik: Parteien würden nicht primär dem Gemeinwohl dienen, sondern eigenen Interessen – etwa durch Versorgungsposten, Günstlingswirtschaft und Intransparenz. Die Folge: Ein System, das sich selbst erhält, aber die Bedürfnisse der Bürger zunehmend ignoriert.
 
Wenn Staaten dysfunktional werden – ein historischer Blick
Geschichte zeigt: Wenn Vertrauen, Leistungsfähigkeit und Gemeinwohlorientierung in einer Demokratie dauerhaft erodieren, entstehen gefährliche Dynamiken. Die Weimarer Republik zerfiel nicht über Nacht – sie wurde zermürbt von Wirtschaftskrisen, politischer Instabilität und wachsender Entfremdung zwischen Volk und Eliten. Der Weg ins Dritte Reich wurde nicht von heute auf morgen beschritten – er begann mit einem Gefühl von Kontrollverlust und Resignation.
Auch das Ende des römischen Reiches war das Ergebnis schleichender Systemverkrustung, ausufernder Verwaltung, Fremdherrschaft durch Klientelgruppen und eines Verlustes der inneren Kohäsion. Moderne Demokratien sind robuster – aber nicht unverwundbar. Wenn politische Legitimation verloren geht, entstehen Räume für Radikalisierung, Spaltung oder autoritäre Tendenzen.
 
Die Hoffnung, dass „es schon irgendwie weitergeht“, war der letzte Anker einer Gesellschaft im Selbstbetrug. 2025 hat diesen Anker gekappt. Die Frage ist nun: Kann ein Neustart gelingen – durch Aufrichtigkeit, Kompetenz und Rückbesinnung auf das Gemeinwohl – oder folgt dem Stillstand der Sturz?

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